5. April 2010

Lernen auf Entfernung

Imaru san at his lathe and some of his bowls and plates

Vor zwei Jahren hat Robin das erste Mal über EMail Kontakt mit einem Japanischen Drechsler, Tomio Imaru. Angeregt durch meine Videos auf YouTube und Robins Buch 'The Wooden Bowl', hatte er sich eine Drechselbank für Schalen gebaut, einige WErkzeuge geschmiedet und sich ihren Gebrauch beigebracht. Die beiden bleiben über das Internet in Kontakt; Imaru san hat sich als guter Schüler erwiesen und macht sehr schöne Schalen!

Jetzt werden sie sich auch "in echt" treffen, denn Robin ist dabei, einen Besuch von Imaru san auf der Chisana Kesurokai-Baustelle zu organisieren, während wir im August in Japan sind. Sie wollen gemeinsam eine Drechselbank bauen, ein paar Werkzeuge schmieden und einige Schalen und Teller drechseln, die beim Grillen im Europäischen Pavillon benutzt werden können. Es wird sicher eine großartige Erfahrung für beide, denn es geht nichts darüber, gemeinsam mit einem Handwerkskollegen zu arbeiten, um die Fähigkeiten zu erweitern.

Hier ist ein Video, das ich von Robin und einem anderen Handwerker gemacht habe, den er über Entfernung betreut, Michail Schütte - er ist Deutscher, daher sehen wir uns ein wenig öfter!


4. April 2010

Traditionelle Handwerksausbildung

Als großer Bewunderer trditioneller Handwerkskunst finde ich es immer schade, wenn Handwerker am Ende ihres Arbeitslebens ankommen, ohne ihre einzgartigen Fähigkeiten weiter gegeben zu haben. Je mehr ich allerdings über die Art der trditionellen Ausbildung lese, desto besser verstehe ich, warum das passiert und ich wünsche mir keine Rückkehr zu den alten Lehrmethoden.

Jetzt habe ich das Buch "Edo Craftsmen, master artisans of old Tokyo" durchgelesen und von den zwölf vorgestellten Handwerkern schneinen nur zwei längerfristig gut laufende Betriebe geführt und ihr Wissen weitergegeben zu haben. Ein Teil des Problems ist die wachsende Verfügbarkeit von billigeren, massengefertigten Alternativen zu den Dingen, die sie herstellen. Allerdings schaffen es viele Handwerker trotzdem, ihre Produkte zu vermarkten, indem sie kleinere Mengen zu höheren Preisen an anspruchsvolle Kunden verkaufen. Das Problem ist eher, dass immer weniger junge Leute in die Handwerke kommen, die davon träumen, diesen Markt zu bedienen.

Die Beschreibungen der Erfahrungen dieser Handwerker mit der traditionellen Ausbildungen enthüllen sowohl die Härte dieses Systems als auch die heutigen Nachteile. Die Ausbildung beginnt in sehr jungem Alter und während der ersten Jahre verrichtet der Lehrling nur niedere Tätigkeiten, während er die Bandbreite der Techniken nur beobachtet. Die Komplexität der Aufgaben nimmt dann langsam zu, während der Lehrling älter und erfahrener wird. Der Schwerpunkt liegt eher auf Lernen als auf Lehren, auf beobachten und nachmachen statt erklärt zu bekommen, wie es geht.

Mit einem guten Meister und einem motivierten Lehrling funktioniert dieses System gut. In ihrer Beobachtung des Japanischen Keramikers Shoji Hamada beschreibt Susan Peterson die Beziehung zwischen Deshi (Lehrling) und Meister wie folgt: "Als Deshi zu lernen bedeutet, sich dem Meister hinzugeben, sich selbst zu verlassen und "in" den Meister einzugehen. Diese "Unterwerfung" bedeutet nicht blinde Nachahmung, sondern gibt die geistige Disziplin und die Möglichkeit, eine Fähigkeit in sich aufzunehmen".

Aber wie dem auch sei, es ist ein System, das sehr stark auf Vertrauen und non-verbale Kommunikation zwischen Meister und Lehrling baut, und das nicht immer gut funktionieren wird. Während ein sehr strenger Meister darauf achtet, dass das hohe Niveau von handwerklichen Fähigkeiten von einer Generation auf die nächste weitergegeben wird, geht dies möglicherweise zu Lasten derKreativität und der Fähigkeit junger Leute, Chancen zu erkennen und neue Märkte zu erchließen. Da junge Leute heutzutage außerdem viel länger zur Schule gehen, scheint mir die traditionelle Handwerksausbildung keine attraktive Option für sie zu sein.

Die Zukunft ist jedoch auch nicht völlig trostlos; ich denke, es gibt Handwerker, die sich an neue Wege des Lehrens anpassen und auch Multimedia hat ein großes Potential, komplexe Fähigkeiten zu dokumentieren und zu vermitteln. Bei meinem letzten Forschungsprojekt habe ich mit den traditionellen Sheffielder Messermachern zusammengearbeitet und ein Online-Angebot erstellt, das bereits erfolgreich von verschiedenen Lernenden verwendet wurde. Durch die Wunder des Internets verbreiten sich Informationen schnell und wer immer etwas lernen will, kann einfach solche Ressourcen nutzen und seine Ausbildung in der Weise gestalten, wie es ihm am besten liegt.

31. März 2010

Barfuß-Holzbearbeitung

Barefoot hewing

Leute reden oft über die Vorliebe der Japanischen Zimmerleute, barfuß zu arbeiten ... und stellen die Sicherheit dieser Arbeitsweise in Frage. Offensichtlich wird das in Japan immer so gemacht, und selbst Fotos aus dem Winter von Amemiya sans Website zeigen die Arbeiter mit flexiblen leichten Schuhen, daher nehme ich an, daß ein guter Stand auf dem Stamm sehr wichtig ist.

Was, wenn die Axt abrutscht? Nun, die Äxte sind so scharf und schwer, daß man definitv eine sehr massive Stahlkappe bräuchte, um sie zu stoppen (was vermutlich die wertvolle Schneide beschädigen würde!). Ich nehme an, der Hintergrund der Technik ist, die Füße aus dem Weg zu haben, für den Fall, dass die Axt weiter schwingt, als sie sollte. Barfuß arbeiten gibt einem den richtigen Anreiz, in diesem Punkt sicher zu gehen.

Im Zuge unserer Schnitz-Kurse wurden wir oft gefragt, ob neue Schüler einen Handschuh tragen sollten, der vor dem abrutschenden Messer schützt. Wir haben uns entschieden, daß es ein besserer Ansatz ist, Techniken zu vermitteln, die ein Abrutschen verhindern. Mit bloßen Händen hat man den besten "Grip" an den Werkzeugen, und der Schüler konzentriert sich auf die Sicherheit. Wir haben nur sehr wenige Verletzungen, insofern scheint sich das auszuzahlen.

more barefoot craftsmen

29. März 2010

Gemeinsam Hobeln

Planing together Kesurokai 2007

"Kesurokai" heißt auf Japanisch "Gemeinsam Hobeln" und im Mittelpunkt der Japanischen Kesurokai-Treffen stehen Hobel-Wettbewerbe. Hierbei treten die Hanwerker gegeneinander an, um möglichst lange, glatte, papier-dünne Späne von einem Holzklotz abzuhobeln. Dies ist nicht nur ein Test der Fähigkeiten mit diesem Werkzeug, sondern auch ihrer Schärf-Künste.

Japanese planes and sharpening Kesurokai 2007

Die Japanischen Handwerker sind sehr stolz auf ihre Schärf-Kunst und sie investieren viele Stunden, um die Werkzeuge in perfektem Zustand zu halten. Dieser Aufwand ist nicht verschwendet, da die Oberfläche, die ein gut geschärfter Hobel hinterläßt nicht weiter bearbeitet werden muß. Sie sparen daher die Zeit ein, die andere Zimmerleute mit dem Schleifen der Oberfläche verbringen würde.

Japanische Wassersteine sind berühmt für ihre gute Schleifleistung und wir verwenden sie, um die vielen Werkzeuge zu schärfen, die wir in unseren Schnitz-Kursen verwenden. Unsere sind jedoch günstigere, synthetische Steine, und wir waren über den Unterschied verblüfft, als Hannes uns einen Naturstein gab, den er aus Japan mitgebracht hat. Der Abtrag dieses Steins ist wirklich bemerkenswert.

27. März 2010

Mehr als Fähigkeiten teilen...

Eating together Kesurokai 2007

Ein wichtiger Aspekt der Kesurokai ist, das die Handwerker auch ihre Freizeit gemeinsam verbringen, sich unterhalten, die Unterkünfte teilen und gemeinsam Essen. Auf diese Weise gelingt ein viel tieferer Einblick in die jeweilig andere Kultur, als dies beim Arbeiten möglich wäre.

Essen (und Trinken!) ist sehr wichtig angesichts der schweren, körperlichen Arbeit, die diese Handwerker verrichten. Während Hannes und Michail unsere kleine Scheune gebaut haben, hatte ich das Gefühl, permanent nur am Einkaufen und Kochen zu sein, aber zum Glück waren sie gut beim Abwaschen!

Beim Bauplatz in Japan haben sie bereits einen tollen Koch- / Eßbereich mit traditionellem Mittelfeuer vorbereitet, der bereits gut genutzt wird:

On-site kitchen

Cooking and eating together

Ich freue mich schon sehr auf das traditionelle Japanische Essen, aber ich muß vorher nochmal ein wenig mit Eßstäbchen üben.

26. März 2010

Modellbau für den Pavillon

Ich habe ein paar neue Fotos bekommen, die zeigen, wie Hannes und Markus ein maßstäbliches Modell des Pavillons anfertigen, was ein wichtiger Teil des Bauprozesses ist.

Dies ist ein erstes Ausprobieren der gezeichneten Pläne, ein erster physischer Test, ob die Maße alle stimmen und das Puzzle am Ende zusammen paßt. Ich nehme an, dass erfahrenen Handwerkern wie ihnen hierbei auch auffällt, welche Teile der Konstruktion mögliche Probleme aufwerfen könnten, wenn der echte Pavillon gebaut wird.

Measuring from the plans

Hannes and Markus at work

The nearly-complete model

Nun ist das Modell noch nicht ganz, aber fast fertig - mehr Abbildungen findet Ihr im Photoalbum.

Im Arbeitsablauf heutiger Architekten wird der Bau von physischen Modellen immer mehr durch CAD Computermodelle verdrängt, was in mancher Weise schneller und genauer zu sein scheint. Allerdings unterrichte ich regelmäßig an der Sint Lucas School of Architecture, Brüssel, und oftmals argumentieren die dortigen Dozenten, die ich unterrichte, gegen Computer-Modelle. Sie sind der Meinung, dass man durch den physischen Modellbau viel mehr über das geplante Bauwerk lernen kann. Wenn man erst die nötige Erfahrung hat, kann man das Wissen auf CAD-Konstruktionen übertragen, aber wenn man mit dem Computer anfängt, sind Probleme vorprogrammiert.

Heute morgen habe ich in den Nachrichten gehört, daß Virgin ihr Formel-1-Auto umkonstruieren müssen, da der Benzintank zu klein ist, um das Fahrzeug bis zum Ende des Rennens zu bekommen. Das ist das erste F1-Auto, was ausschließlich am Computer entwickelt wurde, um Geld für den Bau und Test von Prototypen einzusparen.

25. März 2010

Japanische und Europäische Sägen

Ein weiterer, deutlicher Unterschied zwischen den Werkzeugen der Japaner und Europäer zeigt sich bei den großen Sägen, die zum Auftrennen der Stämme verwendet werden, d.h. um längs zur Faser des Holzes zu schneiden, anstatt quer dazu. In einem früheren Post habe ich bereits ein paar Bilder von der verbreitetsten Japanischen Säge gezeigt, die für diesen Zweck verwendet wird. Es ist ein eindrucksvolles Werkzeug:

Japanese rip saw

Die Säge, die Europäische Zimmerleute zumeist für diesen Zweck verwenden, ist eine Zwei-Personen-Säge wie diese, wobei allerdings Größe und Ausührung stark unterschiedlich sein können:

European rip sawing

In beiden Fällen wird ein langer, dünner Holzkeil verwendet, um die Schnittfuge offen zu halten, so daß sich das Sägeblatt während des Arbeitens nicht verklemmt:

Using wedges whilst sawing

Es gibt auch eine große Zahl von unterschiedlichen Sägen für die Querholzbearbeitung:

Cross cut sawing