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14. April 2010

Fertiges Modell vom Pavillon

Completed pavilion model

So, nun ist das maßstäbliche Modell fertig und es sieht sehr schön aus. Es dient als Plan, wenn die Zimmerleute in Japan den Pavillon in Originalgröße bauen. Mir sind eine Reihe von sehr schönen Details aufgefallen:

Steinfundamente: Das Modell steht auf kleinen Steinen und ich vermute, es wird auch später so konstruiert, da dies die gleiche Bauweise wie bei unserer kleinen Scheune ist. Ein Großteil der Fachwerk-Konstruktion bleibt durch das Dach und die Wandverkleidungen trocken, aber die unteren Enden neigen zum Faulen, wenn sie auf der feuchten Erde stehen. Deshalb werden sie traditionell auf kleine Steinfundamente gestellt, wobei ein Blei-Blech zwischen den Stein und das Holz gelegt wird. Unten links kann man die Fundamente unserer Scheune sehen. Die Steine stammen aus dem Flußlauf direkt unter Robins Werkstatt und das Blei wurde von unserem Nachbar gestiftet, dem Pastor, der noch etwas von Reparaturarbeiten am Kirchendach übrig hatte:

Pavilion stone piers

Eichenpflöcke: Das Modell wird von hölzernen Pflöcken (Holznägeln) zusammen gehalten, denn so wird es auch später beim endgültigen Gebäude gemacht. Jede Verbindung ist sorgfältig angefertigt, so daß die von den Pflöcken zusammengezogen wird, wenn man sie in die Löcher schlägt. Die Holznägel werden aus sehr trockenem Holz gemacht, damit sie später nicht schrumpfen. Es werden etliche Holznägel gebraucht und ich vermute, das wird zwar keine anstrengende, aber eine langwierige Arbeit, sie vor Ort herzustellen.

Nummerierung der Verbindungen: Jede Verbindung wird mit einer Reihe von Symbolen markiert; man kann das auch auf dem Bild sehen, auf dem Hannes an unserer kleinen Scheune arbeitet. Wenn Du sie verstehst, zeigen die Symbole eindeutig, wo in der Scheune jedes Ende ines jeden Balken hingehört. Derartige Gebäude werden nicht Stück für Stück errichtet, sondern zunächst werden alle Teile zugeschnitten und jede Verbindung einzeln überprüft, bevor das gesamte Fachwerk dann auf einmal aufgestellt wird. Ich glaube, es gibt etliche regional verschiedene Systeme der Markierung in Europa, und das Japanische ist wieder anders, daher wird es spannend sein, zu sehen, welche Methode sie verwenden werden!

Pavilion wooden pegs and joint labelling

Mehr Bilder von dem Modell findet Ihr im Photoalbum.

7. April 2010

Profil: Ulrik Hjort Lassen

Ulrik Lassen

Ulrik stammt aus Dänemark, lebt aber zur Zeit in Schweden, während er an seiner PhD über praktische Zimmerei arbeitet, wofür er Arbeitsmethoden zur fertigung von Fachwerk-Konstruktionen untersucht. Sein besonderes Interesse gilt den unterschiedlichen Methoden des “Afbinding, Opsnøring and Tilridsning,”, Dänischer Brgriffe, die (unzureichend) mit Aufreißen und Anreißen übersetzt werden können.

Die Skandinavier nehmen traditionelles Handwerk viel ernster als hier im UK, und es gibt viele gute Fortbildungsprogramme. Ulrik begann seine Ausbildung zum Zimmerer an der Dacapo Craft School in Schweden, die ursprünglich eine Berufsschule für Zimmerleute war, die sich mit traditionellen Bautechniken beschäftigen, aber später in die Universität Göteborg eingegliedert wurde. So hat er mittlerweile einen Bachelor-Grad erworben und arbeitet jetzt an einem fünfjährigen Forschungsprojekt für seine PhD.

Während ich die Einstellung der Skandinavier zum traditionellen Handwerk bewundere, scheint es, als ob praxisorientierte PhDs in diesem Bereich noch nicht etabliert sind, weswegen er stets nach Wegen sucht, "eine praktische Untersuchung in einer akademischen Welt durchzuführen, ohne die Ausführung des Handwerks aus dem Blick zu verlieren. Da ich selbst eine praxisorientierte PhD gemacht und später andere Leute bei ähnlichen Projekten angeleitet habe, ist das vielleicht etwas, bei dem ich helfen kann. Ich freue mich darauf, in Japan etwas Zeit mit Ulrik zu verbringen und diese Fragen zu diskutieren.

Lina Lo Gillefalk

Einen großen Teil seiner Zeit verbringt Ulrik mit praktischen Bauprojekten, sowohl eigene im Bauhof als auch auf anderen Projekte, die über ganz Europa verteilt sind, denn in Schweden gibt es vorwiegend Blockbau-Konstruktionen und nur wenige Fachwerk-Bauten. Die Japanische Kesurokai bietet die Möglichkeit, sein Wissen zu erweitern!

Ulrik wird zusammen mit Lina Lo Gillefalk, seiner Verlobten, nach Japan reisen, die gerade ihren Abschluß als Denkmalschützerin macht, und sich auf Kulturerbe im Bereich Bauwerke (“bebyggelsesantikvarie”) spezialisiert hat. Sie wird das Projekt beobachten und gemeinsam wollen sie über die Bedeutung von praktischen Workshops zur Bewahrung praktischer Fähigkeiten und des nicht greifbaren, kulturellen Erbes der Baugewerke schreiben.

Mehr über Ulrik, auch ein paar Videos, findet Ihr auf dieser französischen Website über Fachwerk-Konstruktionen.

15. März 2010

Mittelalterliche Technologie mittels Technologie des 21. Jahrhunderts

Mittelalterliche Fachwerkbauten waren groß, schön gebaut und viele von ihnen stehen noch heute. All das wurde mit sehr einfachen Werkzeugen und Maschinen geschafft ...und ohne die heute üblichen, standardisierten Maßsysteme. Wie? ...Kreisbogengeometrie war vermutlich die Methode, mit der es gemacht wurde.

Hannes and Marc doing their geometry.

Hannes und Marc haben über das Wochenende an der Geometrie gearbeitet und die Pläne für den Pavillon gezeichnet, der in Japan gebaut werden soll. Während ich darüber mit Hannes per Skype redete, zeigte er mir, wie man dem Gesprächspartner den eigenen Bildschirm zeigen kann - eine Sache, von der ich vorher nichts wußte ... ja, er ist ein traditioneller Handwerker und ich bin Multimedia-Designerin! Es kam noch besser, als er mir erzählte, dass er auf diesem Weg die Kreisbogengeometrie erlernt hat. Während des ersten großen Kesurokai-Treffens hat der im Vereinigten Königreich wohnende Experte Cormac Seekings erklärt, wie diese Konstruktionsmethode funktioniert, und zwar mittels Skype, einem Laptop und einem Beamer. Eine großartige Verknüpfung von mittelalterlichen und modernen Technologien!

Ich werde Cormac bitten, es mir auch noch einmal genau zu erklären, aber der Hintergrund ist, dass Laurie Smith viele hundert Fachwerkbauten untersucht und vermessen hat. Es wurde entdeckt, dass sie einem bestimmten Raster folgen, das möglicherweise geometrisch konstruiert wurde. Vielfach findet man geometrische Symbole, die in die Balken eingeschnitzt sind, was diese Theorie untermauert. So wurden offenbar viele Gebäude vor Ort aufgerissen, mit einem Stechzirkel um die Hilfskreise zu zeichnen, einem Bleilot und einer Kreideschnur.

Heute werden die Pläne im Vorfeld auf Papier angefertigt, dann ein maßstäbliches Modell gebaut, um die Genauigkeit der Pläne zu überprüfen. Für die Kesurokai ist dies wichtig, da eine Zuschnittsliste des benötigten Holzes nach Japan vorgeschickt werden muss, damit im August alles vorbereitet ist. Hier ist ein Teil des fast fertigen Plans:

Pavilion geometry

Im Moment arbeiten sie an dem Modell und werden mir Bilder schicken, sowie es fertig ist.

Abschließend hier noch ein Video des Französischen Zimmerermeisters Jean-Louis Velentin, in dem er über Dach-Geometrien redet...normalerweise mag ich diese "Sprechender Kopf"-Videos nicht so sonderlich, aber er erzählt mit so viel Leidenschaft, dass ich es sehr fesselnd finde (oder möglicherweise lasse ich mich leicht von französischem Akzent verführen!)

21. Februar 2010

Unsere kleine Scheune

Meine erste wirkliche Begegnung mit Fachwerkbau war im Oktober 2008, als der Organisator der Kesurokai, Hannes Schnelle, zusammen mit Michail Schütte nach Großbritannien kam um Robin beim Bau einer kleinen Scheune neben unserem Haus zu helfen, die als Holzlager und Fahrradschuppen dienen soll.

Ich habe anfänglich nicht verstanden, was dort vor sich geht und war etwas verwirrt. Ich fuhr jeden Tag nach Sheffield um zu arbeiten, da Hannes und Michail in meinem Heim-Büro wohnten. Jeden Tag, wenn ich zurück kehrte, war immer noch ein großer Haufen Holz vor dem Haus, aber kein Anzeichen eines Gebäudes! Es dauerte in wenig, bis ich erkannte, dass das Fachwerk nicht Stück für Stück aufgebaut wird, sondern zunächst alle Verbindungen ausgearbeitet werden, alle Bauteile einzeln zusammengesetzt und wieder zerlegt werden, ausprobiert und getestet, bis alles paßt und fertig ist... DANN wird das gesamte Fachwerk auf einmal zusammengesetzt.

Hier sind ein paar Fotos von dem großen Tag und ein Video, was ich gemacht habe, um diesen Moment festzuhalten:

Hannes Schnelle and the frame under construction




...und die fertige Scheune voll mit Holz und Fahrrädern:
Our little barn - aka Robin's shed!

17. Februar 2010

Der europäische Pavillon

Hier sind die ersten Pläne für den europäischen Pavillon, dessen Bau die europäischen Teilnehmer der Kesurokai leiten werden.


Pavilion1


Es wird mit Hilfe der Kreisbogengeometrie konstruiert, von der angenommen wird, dass sie die traditionelle Methode ist, die von Zimmerleuten während des Mittelalters verwendet wurde. Ich selbst werde nicht versuchen, sie zu erklären, aber hier ist ein Artikel (englisch, bis nach unten scrollen), der die Grundlagen erklärt. Ich werde nochmal einen der Zimmerleute bitten, zu diesem Thema einen blog-Eintrag zu schreiben.


Pavilion2

16. Februar 2010

Japanisches Teehaus

Das japanische Team hat die Pläne für das Teehaus gezeichnet, welches gebaut werden soll. Dazu haben sie Fotos eines maßstäblichen Modells geschickt:

Blueprint
Pic02
Pic04