Posts mit dem Label europäischer Pavillon werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label europäischer Pavillon werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

14. April 2010

Fertiges Modell vom Pavillon

Completed pavilion model

So, nun ist das maßstäbliche Modell fertig und es sieht sehr schön aus. Es dient als Plan, wenn die Zimmerleute in Japan den Pavillon in Originalgröße bauen. Mir sind eine Reihe von sehr schönen Details aufgefallen:

Steinfundamente: Das Modell steht auf kleinen Steinen und ich vermute, es wird auch später so konstruiert, da dies die gleiche Bauweise wie bei unserer kleinen Scheune ist. Ein Großteil der Fachwerk-Konstruktion bleibt durch das Dach und die Wandverkleidungen trocken, aber die unteren Enden neigen zum Faulen, wenn sie auf der feuchten Erde stehen. Deshalb werden sie traditionell auf kleine Steinfundamente gestellt, wobei ein Blei-Blech zwischen den Stein und das Holz gelegt wird. Unten links kann man die Fundamente unserer Scheune sehen. Die Steine stammen aus dem Flußlauf direkt unter Robins Werkstatt und das Blei wurde von unserem Nachbar gestiftet, dem Pastor, der noch etwas von Reparaturarbeiten am Kirchendach übrig hatte:

Pavilion stone piers

Eichenpflöcke: Das Modell wird von hölzernen Pflöcken (Holznägeln) zusammen gehalten, denn so wird es auch später beim endgültigen Gebäude gemacht. Jede Verbindung ist sorgfältig angefertigt, so daß die von den Pflöcken zusammengezogen wird, wenn man sie in die Löcher schlägt. Die Holznägel werden aus sehr trockenem Holz gemacht, damit sie später nicht schrumpfen. Es werden etliche Holznägel gebraucht und ich vermute, das wird zwar keine anstrengende, aber eine langwierige Arbeit, sie vor Ort herzustellen.

Nummerierung der Verbindungen: Jede Verbindung wird mit einer Reihe von Symbolen markiert; man kann das auch auf dem Bild sehen, auf dem Hannes an unserer kleinen Scheune arbeitet. Wenn Du sie verstehst, zeigen die Symbole eindeutig, wo in der Scheune jedes Ende ines jeden Balken hingehört. Derartige Gebäude werden nicht Stück für Stück errichtet, sondern zunächst werden alle Teile zugeschnitten und jede Verbindung einzeln überprüft, bevor das gesamte Fachwerk dann auf einmal aufgestellt wird. Ich glaube, es gibt etliche regional verschiedene Systeme der Markierung in Europa, und das Japanische ist wieder anders, daher wird es spannend sein, zu sehen, welche Methode sie verwenden werden!

Pavilion wooden pegs and joint labelling

Mehr Bilder von dem Modell findet Ihr im Photoalbum.

26. März 2010

Modellbau für den Pavillon

Ich habe ein paar neue Fotos bekommen, die zeigen, wie Hannes und Markus ein maßstäbliches Modell des Pavillons anfertigen, was ein wichtiger Teil des Bauprozesses ist.

Dies ist ein erstes Ausprobieren der gezeichneten Pläne, ein erster physischer Test, ob die Maße alle stimmen und das Puzzle am Ende zusammen paßt. Ich nehme an, dass erfahrenen Handwerkern wie ihnen hierbei auch auffällt, welche Teile der Konstruktion mögliche Probleme aufwerfen könnten, wenn der echte Pavillon gebaut wird.

Measuring from the plans

Hannes and Markus at work

The nearly-complete model

Nun ist das Modell noch nicht ganz, aber fast fertig - mehr Abbildungen findet Ihr im Photoalbum.

Im Arbeitsablauf heutiger Architekten wird der Bau von physischen Modellen immer mehr durch CAD Computermodelle verdrängt, was in mancher Weise schneller und genauer zu sein scheint. Allerdings unterrichte ich regelmäßig an der Sint Lucas School of Architecture, Brüssel, und oftmals argumentieren die dortigen Dozenten, die ich unterrichte, gegen Computer-Modelle. Sie sind der Meinung, dass man durch den physischen Modellbau viel mehr über das geplante Bauwerk lernen kann. Wenn man erst die nötige Erfahrung hat, kann man das Wissen auf CAD-Konstruktionen übertragen, aber wenn man mit dem Computer anfängt, sind Probleme vorprogrammiert.

Heute morgen habe ich in den Nachrichten gehört, daß Virgin ihr Formel-1-Auto umkonstruieren müssen, da der Benzintank zu klein ist, um das Fahrzeug bis zum Ende des Rennens zu bekommen. Das ist das erste F1-Auto, was ausschließlich am Computer entwickelt wurde, um Geld für den Bau und Test von Prototypen einzusparen.

20. März 2010

Arbeitsplan für den Pavillon

European Pavilion

Die Menge Arbeit für die Errichtung des Fachwerk-Pavillons, der in Japan während der Kesurokai gebaut werden soll, ist wirklich ehrfurchtseinflößend! Die neueste eMail von Hannes erklärt den Ablauf...

Die Zimmerleute werden in 7 Gruppen mit je 7 Leuten Arbeiten, gemischt aus Europäern und Japanern, und mit einem Europäischen Kopfzimmerer in jeder Gruppe. Das Projekt wird voraussichtlich 9 Tage zu je 8 Stunden Arbeit in Anspruch nehmen. [Das sind über 3500 Mann-Stunden Arbeit!]

Ein Teil des Holzes wird im Voraus von den japanischen Zimmerleuten vorbereitet, aber das meiste wird dann gemeinsam während der ersten zwei Tage bearbeitet - zuerst werden die Stämme behauen und dann aufgesägt. Während dieser Zeit werden Cornelius und Hannes den Aufriss vorbereiten, von dem die einzelnen Gruppen später die Maße für ihre jeweiligen Bauteile abnehmen können.

Die nächsten sechs Tage werden die Gruppen mit der Fertigung der einzelnen Bauteile verbringen - die Längswände des Gebäudes, die Giebelwände, die Dachsparren und das Gestell für den Grill! Wenn alle einzelnen Elemente fertig sind, wird das ganze Gebäude wie ein riesiges, hölzernes Puzzle zusammengesetzt.

Und während das alles passiert, arbeiten die restlichen Handwerker (wieder in gemischten Teams aus Europäern und Japanern) parallel an dem zweiten Projekt, dem Bau eines Teehauses:

Japanese tea house

15. März 2010

Mittelalterliche Technologie mittels Technologie des 21. Jahrhunderts

Mittelalterliche Fachwerkbauten waren groß, schön gebaut und viele von ihnen stehen noch heute. All das wurde mit sehr einfachen Werkzeugen und Maschinen geschafft ...und ohne die heute üblichen, standardisierten Maßsysteme. Wie? ...Kreisbogengeometrie war vermutlich die Methode, mit der es gemacht wurde.

Hannes and Marc doing their geometry.

Hannes und Marc haben über das Wochenende an der Geometrie gearbeitet und die Pläne für den Pavillon gezeichnet, der in Japan gebaut werden soll. Während ich darüber mit Hannes per Skype redete, zeigte er mir, wie man dem Gesprächspartner den eigenen Bildschirm zeigen kann - eine Sache, von der ich vorher nichts wußte ... ja, er ist ein traditioneller Handwerker und ich bin Multimedia-Designerin! Es kam noch besser, als er mir erzählte, dass er auf diesem Weg die Kreisbogengeometrie erlernt hat. Während des ersten großen Kesurokai-Treffens hat der im Vereinigten Königreich wohnende Experte Cormac Seekings erklärt, wie diese Konstruktionsmethode funktioniert, und zwar mittels Skype, einem Laptop und einem Beamer. Eine großartige Verknüpfung von mittelalterlichen und modernen Technologien!

Ich werde Cormac bitten, es mir auch noch einmal genau zu erklären, aber der Hintergrund ist, dass Laurie Smith viele hundert Fachwerkbauten untersucht und vermessen hat. Es wurde entdeckt, dass sie einem bestimmten Raster folgen, das möglicherweise geometrisch konstruiert wurde. Vielfach findet man geometrische Symbole, die in die Balken eingeschnitzt sind, was diese Theorie untermauert. So wurden offenbar viele Gebäude vor Ort aufgerissen, mit einem Stechzirkel um die Hilfskreise zu zeichnen, einem Bleilot und einer Kreideschnur.

Heute werden die Pläne im Vorfeld auf Papier angefertigt, dann ein maßstäbliches Modell gebaut, um die Genauigkeit der Pläne zu überprüfen. Für die Kesurokai ist dies wichtig, da eine Zuschnittsliste des benötigten Holzes nach Japan vorgeschickt werden muss, damit im August alles vorbereitet ist. Hier ist ein Teil des fast fertigen Plans:

Pavilion geometry

Im Moment arbeiten sie an dem Modell und werden mir Bilder schicken, sowie es fertig ist.

Abschließend hier noch ein Video des Französischen Zimmerermeisters Jean-Louis Velentin, in dem er über Dach-Geometrien redet...normalerweise mag ich diese "Sprechender Kopf"-Videos nicht so sonderlich, aber er erzählt mit so viel Leidenschaft, dass ich es sehr fesselnd finde (oder möglicherweise lasse ich mich leicht von französischem Akzent verführen!)

26. Februar 2010

Pavillon-Pläne

Die Pläne für den europäischen Pavillon nehmen Gestalt an und ich habe neue Zeichnungen bekommen. Hier sind welche davon, die die Kreisbogengeometrie und einen deutschen Gesellen zum Größenvergleich zeigen:

Pavilion3

Es sieht so aus, als würde der Geselle neben einem Grill stehen und es gibt eine Vorrichtung, um etwas über das Feuer zu hängen. Wenn ich Hannes das nächste mal über Skype erwische, werde ich ihn danach fragen!

17. Februar 2010

Der europäische Pavillon

Hier sind die ersten Pläne für den europäischen Pavillon, dessen Bau die europäischen Teilnehmer der Kesurokai leiten werden.


Pavilion1


Es wird mit Hilfe der Kreisbogengeometrie konstruiert, von der angenommen wird, dass sie die traditionelle Methode ist, die von Zimmerleuten während des Mittelalters verwendet wurde. Ich selbst werde nicht versuchen, sie zu erklären, aber hier ist ein Artikel (englisch, bis nach unten scrollen), der die Grundlagen erklärt. Ich werde nochmal einen der Zimmerleute bitten, zu diesem Thema einen blog-Eintrag zu schreiben.


Pavilion2

16. Februar 2010

Erstes Treffen der Europäer

Während die Japaner mit ihrer Planung des Treffens schon sehr weit fortgeschritten sind (Finanzierung durch den "Green Business Fund" konnte sicher gestellt werden und eine Baugenehmigung wurde beantragt), traf sich das europäische Team am 16. Januar, um die Pläne und Finanzierungsmöglichkeiten durchzusprechen. Die deutschen Teilnehmer trafen sich bei Hannes und die übrigen "besuchten" das Treffen mittels Skype - ein Laptop und ein Beamer ermöglichten es ihnen, sich in die Diskussion ein zu bringen.

Die folgenden Rahmenbedingungen wurden beschlossen:
  • Zeitrahmen: 7. bis 21. August 2010
  • Ort: nr Enzan, Präfektur Yamanashi, Japan
  • Etwa 40 japanische Hanwerker nehmen teil
  • Etwa 30 europäische Handwerker haben Interesse geäußert, teilzunehmen (2 Frankreich, 8 Tschechien, 3 Vereinigtes Königreich, 1 Schweden, 15 Deutschland, 1 Niederlande) plus Nicola als Fotografin und Video-Kamerafrau.
  • Die japanischen Teilnehmer leiten den Bau eines Teehauses
  • Die europäischen Teilnehmer leiten den Bau eines Fachwerk-Pavillons mit Grill und Tischfußball
  • Die Gebäude sind demontierbar und werden nach der Veranstaltung in verschiedenen Japanischen Universitäten ausgestellt.
Die Japaner organisieren den Transport der europäischen Teilnehmer vom Flughafen zur Baustelle und kümmern sich um Unterbringung und Verpflegung. Hannes bucht einen Gruppenflug, um einen möglichst günstigen Preis zu bekommen. Alle schauen sich nach Finanzierungsmöglichkeiten in ihren jeweiligen Ländern um.