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23. März 2010

Deutsche und Japanische Behautechnik

Deutsche Zimmerer beginnen das Behauen eines Stammes zumeist mit dem Einschlagen von V-förmigen Kerben. Hierbei arbeiten zwei Handwerker zusammen, die abwechselnd in je eine Seite der Kerbe schlagen. Das ist sehr effizient und spannend anzuschauen (hier ein Video). Abschließend wird das Holz zwischen den Kerben entfernt, so daß eine ebene Fläche entsteht:

German hewing

Die japanische Methode besteht darin, zunächst die Fasern des Holzes mit einigen Axthieben zu schwächen, welche aber nur einseitig eingeschlagen werden, also ohne eine komplette Kerbe zu machen. Dann wird das "aufgelockerte" Haolz entfernt, indem die Axt wie ein Pendel geschwungen wird. Hierzu steht der Zimmerer barfuß auf dem Stamm, was ebenfalls spannend anzuschauen ist (hier ein Video).

Japanese hewing

Beide Methoden scheinen in etwa gleich effizient zu sein, und offensichtlich haben sich die jeweiligen Äxte in einer Weise entwickelt, die dem Gebrauch entspricht ... oder möglicherweise gibt die Art der Benutzung den Stil der Äxte vor!

20. März 2010

Behauen und Aufsägen

Ich hatte die Vorbereitung der Holzstämme erwähnt, die für den europäischen Pavillon etwa zwei Tage in Anspruch nehmen wird. Diese Vorbereitung ist nötig, da die Gebäude aus Stämmen entstehen, die vor Ort gefällt wurden.

Hier ein paar Fotos, die 2008 in Japan aufgenommen wurden, als Hannes bei den ersten Vorbereitungen mithalf. Zunächst wird der Stamm mit Äxten eingekerbt und dann mit einer Schrotsäge der Fällschnitt angesetzt.

Felling

Dann das Behauen, wobei der Stamm mit einer anderen Art von Axt vierkantig gemacht wird:

Hewing

Schließlich werden einige der größeren Stämme aufgesägt:

Sawing

Das ist nur ein Vorgeschmack von dem, was passiert - diese Fotos stammen von Amemiya sans Website, und hier sind noch einige mehr.

Die verwendeten Werkzeuge sind typisch für Japan und unterscheiden sich zum Teil stark von ihren europäischen Gegenstücken. Während der Kesurokai werden die Handwerker die Möglichkeit haben, Erfahrungen mit beiden zu sammeln. Hier ist eine Liste der Werkzeuge, die von der europäischen Gruppe mit nach Japan genommen werden. Sie werden am Ende der Veranstaltung an die japanischen Handwerker übergeben.

13. März 2010

Japanische Zimmerer-Axt

Die Axt, die Robin Wood benutzt hat, um die Zaunpfähle zu behauen, wurde für ihn von Hannes Schnelle gekauft, als dieser das letzte Mal in Japan war, um Vorbereitungen für die bevorstehende Kesurokai zu treffen. Es ist ein wunderschönes Werkzeug und bereitet Robin viel Freude! Hier ist die Axt, als sie ankam - verpackt in schöne, hauchdünne Hobelspäne...

Axe

Robins japanischer Freund und Drechsler-Kollege Tomio Imaru hat uns eine ungefähre Übersetzung der Inschrift geschickt:

Vermutlich handelt es sich bei den beiden großen Wörtern in Kanji um den Namen des Schmieds "kajiya-mei". Üblicherweise markiert der Schmied die Klinge mit seinem Schmiedenamen (der manchmal nicht dem realen Namen überein stimmt). Es sieht aus wie 幸英. Auf der Unterseite der Klinge sehe ich den Ort der Werkstatt 土佐. Tosa ist der Name einer japanischen Präfektur, die auf der Insel Shikoku liegt. Fast alle japanischen Äxte haben 7 Streifen; vier auf der rechten und drei auf der linken Seite der Axt. Diese Streifen symbolisieren den Dank für das Holz, die sichere Holzbearbeitung und das Opfer von Alkohol und Saatgut.

Robin liebt Äxte und hat eine große Sammlung davon - ich werde mal schauen, ob ich ihn dazu bewegen kann, ein paar davon zu fotografieren und etwas dazu zu schreiben.

9. März 2010

Spalten eines großen Eichenstammes

Robin Wood hat kürzlich einen sehr großen Eichenstamm gespalten, aus dem er Zaunpfähle und Geländer bauen will. Sein derzeitiges Hauptprojekt ist der Bau einer Fußgängerbrücke in Bradfield (nicht weit entfernt von meinem Wohnort), und der Zaun wird den Zuweg zur Brücke einfassen.

Die Eiche wurde in den Eccleshall Woods nahe Sheffield gefällt, ursprünglich für ein Buprojekt von jemand anders, aber es wurde schnell klar, dass eine große Zahl versteckter Nägel in dem Stamm stecken. Nachdem bereits sechs oder mehr Nägel freigelegt waren, wurde entschieden, daß die Gefahr, die Gattersäge zu beschädigen, zu groß ist. Robin fand es aber viel zu schade, ein so schönes Stück Holz wegzuwerfen und entschloss sich, es mit Handwerkzeugen zu bearbeiten.

Zum Spalten wurden zunächst Metallkeile verwendet, dann lange, dünne und gut getrocknete Eichenkeile, die Robin selbst geschnitzt hat - alle Keile wurden mit einem großen Vorschlaghammer eingetrieben. Nachdem der Stamm erstmal in zwei Hälften geteilt war (jeweils 3,60 m lang und ca. eine halbe Tonne schwer), wurden die Stücke weiter gespalten, jedes Mal in zwei Hälften, damit der Spalt gerade verläuft.

The oak log cleft in two.

Medulary rays and the final cleft into fencing rails.

Robin sagte nach getaner Arbeit, dass es zwar ein harter Tag war, aber eine Menge Spaß gemacht hat, ein so tolles Material zu verwerten, bei dem die elektrischen Maschinen versagt hatten.

Abschließend ein Bild des Ortes, wo die ersten Zaunpfähle platziert werden. Robin hat die Oberfläche mit seiner japanischen Zimmerer-Ono (Axt) behauen, was sehr viel Spaß macht. Es gibt wahrscheinlich nicht viele Beispiele für japanisch Behautechnik im Vereinigten Königreich, aber vermutlich wird das kaum jemand bemerken.

Bridge site in Bradfield and Japanese axe.

Weitere Bilder und Informationen in Robins Blog hier und hier.

25. Februar 2010

Profil: Amemiya san

Kunihiro Amemiya, ein hoch angesehener Behaumeister, ist der Hauptorganisator der Chisana Kesurokai in Japan.

Er ist ein Experte für traditionelle Holzbearbeitung und führt einen Betrieb, der Häuser im traditionellen Stil baut und repariert. Er hat an beiden europäischen Kesurokai-Treffen teilgenommen, die ihn dazu angeregt haben, nun eine Gruppe europäischer Handwerker nach Japan einzuladen.

Er begann mit den Vorbereitungen im August 2008 und eine Menge Arbeit wurde seit dem getan: der Baugrund wurde vorbereitet, das Holz ausgesucht und vorbereitet, die Finanzierung des Treffens und die Baugenehmigung wurden organisiert. Amemiya san unterhält einen wundervollen Foto-blog, der den Fortschritt an der Baustelle dokumentiert: auf Japanisch oder Deutsch mit Google Übersetzer (auf "Aktivitätsprotokoll" klicken, um die Fotos anzusehen)

Der Bauplatz, gelegen in der Landschaft NO der Stadt Kōshū in der Präfektur Yamanashi ist ein besonderer Ort für ihn; er liegt in der Nähe seines Geburtsorts aber war sehr überwuchert. Der Bambus wurde nun gerodet und ein altes Gebäude wurde als "Basis" für die Zimmerleute eingerichtet. Wenn Du das blog durchstöberst, wirst Du wundervolle Fotos finden, wie die Bäume gefällt und die Balken vorbereitet werden - und auch wie die Handwerker gemeinsam kochen und essen.

Dies ist ein Aspekt, der die Kesurokai so einzigartig macht. Die Handwerker arbeiten nicht nur gemeinsam und tauschen Fähigkeiten aus, sondern sie leben auch zusammen, teilen das Essen und unterhalten sich. Dies ermöglicht einen wirklichen Einblick und ein Verstehen der jeweilig anderen Kultur, jenseits aller Sprachbarrieren.

Abschließend hier ein Video, das Robin während der Kesurokai 2005 aufgenommen hat, und das ich nachbearbeitet habe:

... und hier ist noch ein weiteres Video, in dem Amemiya san mit einer japanischen Säge einen Stamm auftrennt.