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9. April 2010

Werkzeug (und die Wunder von Skype)

Die Zimmerleute haben eine umfangreiche Werkzeugliste erstellt, die zeigt, was alles für den Bau des Europäischen Pavillons gebraucht wird. Die Werkzeuge müssen mitgenommen werden, da viele von ihnen typisch sind für die Europäische Zimmerei.

Heute Morgen haben Hannes und Robin einige Zeit via Skype derüber diskutiert, welche Werkzeuge gebraucht werden; irgendwie ist es viel einfacher, sich zu unterhalten, wenn man das Gegenüber sehen kann, insbesondere, wenn man nicht in seiner Muttersprache redet. Mit Hilfe der "Bildschirm teilen"-Funktion kann man sich auch gemeinsam Websites anschauen; hier diskutieren sie über Äxte:

Robin and Hannes discussing axes on Skype

Das Werkzeug muß nun unter Zeitdruck organisiert werden, da es aufgrund des großen Gewichts vorab nach Japan verschifft werden muß; der Transport geht Anfang Mai los. Hannes hat mit einer Spedition einen vergünstigten Tarif ausgehandelt und baut nun eine große Kiste (3m x 1m x 1m), wo alles hinein paßt.

Da viele der Werkzeuge sehr teuer sind, arbeiten sie auch daran, Rabatte oder Sponsoren dafür zu bekommen. Nach der Kesurokai bleiben die Werkzeuge in Japan als Geschenk an die Japanischen Zimmerer, die unsere Gastgeber sein werden.

6. April 2010

Die ursprüngliche Japanische Kesurokai

Die Kesurokai-Treffen in Japan begannen in 1995, organisiert von dem hoch angesehenen Tempelbaumeister Sugimura san. Sein Ziel war es, Handwerker zusammen zu bringen, die für gewöhnlich einzeln arbeiten, um einen Austausch von traditionellen Handwerkstechniken und Wissen zu ermöglichen.

Diese Treffen dienen nicht nur der Erhaltung alter Fähigkeiten, sondern auch dazu, einen Sinn von Gemeinschaft unter den Handwerkern zu stiften und ihnen bei der Unterhaltung ihrer Firmen zu helfen. Die Kesurokai-Bewegung hat ca. 1500 Mitglieder in Japan und veranstaltet zweimal im Jahr Treffen im ganzen Land.

Ein Freund hat mich kürzlich auf diese Website hingewiesen, mit einigen Bildern von einem Kesurokai-Treffen 2006 - hier kann man sehen, wie groß und gut besucht die Treffen sind.

'Planing together' - paper thin wood shavings.

The scale of the event.

Across the generations too!

Auf dieser Website gibt es auch einige wirklich tolle Videos, in denen gezeigt wird, wie verschiedene Holzbearbeitungswerkzeuge hergestellt werden.

25. März 2010

Japanische und Europäische Sägen

Ein weiterer, deutlicher Unterschied zwischen den Werkzeugen der Japaner und Europäer zeigt sich bei den großen Sägen, die zum Auftrennen der Stämme verwendet werden, d.h. um längs zur Faser des Holzes zu schneiden, anstatt quer dazu. In einem früheren Post habe ich bereits ein paar Bilder von der verbreitetsten Japanischen Säge gezeigt, die für diesen Zweck verwendet wird. Es ist ein eindrucksvolles Werkzeug:

Japanese rip saw

Die Säge, die Europäische Zimmerleute zumeist für diesen Zweck verwenden, ist eine Zwei-Personen-Säge wie diese, wobei allerdings Größe und Ausührung stark unterschiedlich sein können:

European rip sawing

In beiden Fällen wird ein langer, dünner Holzkeil verwendet, um die Schnittfuge offen zu halten, so daß sich das Sägeblatt während des Arbeitens nicht verklemmt:

Using wedges whilst sawing

Es gibt auch eine große Zahl von unterschiedlichen Sägen für die Querholzbearbeitung:

Cross cut sawing

20. März 2010

Behauen und Aufsägen

Ich hatte die Vorbereitung der Holzstämme erwähnt, die für den europäischen Pavillon etwa zwei Tage in Anspruch nehmen wird. Diese Vorbereitung ist nötig, da die Gebäude aus Stämmen entstehen, die vor Ort gefällt wurden.

Hier ein paar Fotos, die 2008 in Japan aufgenommen wurden, als Hannes bei den ersten Vorbereitungen mithalf. Zunächst wird der Stamm mit Äxten eingekerbt und dann mit einer Schrotsäge der Fällschnitt angesetzt.

Felling

Dann das Behauen, wobei der Stamm mit einer anderen Art von Axt vierkantig gemacht wird:

Hewing

Schließlich werden einige der größeren Stämme aufgesägt:

Sawing

Das ist nur ein Vorgeschmack von dem, was passiert - diese Fotos stammen von Amemiya sans Website, und hier sind noch einige mehr.

Die verwendeten Werkzeuge sind typisch für Japan und unterscheiden sich zum Teil stark von ihren europäischen Gegenstücken. Während der Kesurokai werden die Handwerker die Möglichkeit haben, Erfahrungen mit beiden zu sammeln. Hier ist eine Liste der Werkzeuge, die von der europäischen Gruppe mit nach Japan genommen werden. Sie werden am Ende der Veranstaltung an die japanischen Handwerker übergeben.

17. März 2010

Bücher / Japanische Ästhetik

Ich habe kürzlich begonnen, Soetsu Yanagis Buch The Unknown Craftsman zum zweiten Mal zu lesen, und ich bin ein wenig frustriert. Ich habe es beim ersten mal sehr gerne gelesen, aber nun sehe ich das Ganze zwiespältig.

Nachem ich Brian Moerans Buch Folk Art Potters of Japan (siehe Hintergrund-Lektüre) gelesen habe, bin ich auf die enge Beziehung zwischen Yanagi und Bernard Leach fixiert und ich sehe, wie stark sie gegenseitig ihre Denkweise beeinflusst haben. Jetzt, wo ich The Unknown Craftsman lese, bin ich unsicher, wessen Stimme ich höre. Leach erklärt im Vorwort, dass er das ursprüngliche Manuskript verwefen musste, nachdem ein Assistent, der Japanisch und Englisch fließen sprach, feststellte, dass es "zu sehr Leachs Interpretation von Yanagi war, als dass man es eine Übersetzung nennen könnte".

Es scheint mir, als würde ich Yanagi durch eine Linse betrachten, die von Leach geschaffen wurde, und ich wünsche mir eine enger am Original gehaltene Übersetzung. Sicherlich wäre es am besten, es auf Japanisch zu lesen, aber ich muß auch realistisch sein und zugeben, dass das niemals passieren wird. (Ich bin ein großer Fan von klassischer Literatur und fand es immer klasse, Dostoevsky und Tolstoy im Original zu lesen!)

Nichtsdestotrotz ist es ein gutes Buch, ich sehe es aber jetzt in einem anderen Licht. Die Leach / Yanagi-Vision der Ästhetik ist eine Verbindung von Ost und West - für sich genommen sehr interessant, aber vielleicht nicht der Einblick in traditionelle japanische Ästhetik, den ich gesucht hatte.

Nun eine Überleitung zu einer anderen, makelbehafteten Schönheit...

Japanese-axe2

Autsch! Da hat Robin eine unschöne Scharte in seine japanische Axt gemacht, als er einen überwachsenen Nagel in dem Holz traf, was er für die Zaunpfähle behauen hat. Das muß nun erstmal wieder nachgeschliffen werden...

14. März 2010

Amerikanische Breitaxt

Ein etwas leichtfertiger Post am Sonntag Morgen...gestern bin ich auf der Suche nach Bildern von Robins Zimmer-Axt über dieses Foto gestolpert. Ich glaube nicht, daß Robin die Axt ernsthaft benutzt, aber sie wurde ihm von einem Freund aus den USA angeboten - es ist ein so wundervolles Ding, das er nicht widerstehen konnte und es seiner Sammlung zugefügt hat.

American broad axe

Ich kann die Axt gerade mal mit beiden Händen anheben, so daß meine ganze Bewunderung Leuten gilt, die so ein Ding den ganzen Tag schwingen. Aber die Technik ist dabei genauso entscheidend wie Kraft. Wenn Du Amemiya san in dem youTube Video unten auf dieser Seite beobachtest, kannst Du sehen wie er das Gewicht der Axt zum Hacken nutzt, wobei das Werkzeug wie ein Pendel schwingt.

13. März 2010

Japanische Zimmerer-Axt

Die Axt, die Robin Wood benutzt hat, um die Zaunpfähle zu behauen, wurde für ihn von Hannes Schnelle gekauft, als dieser das letzte Mal in Japan war, um Vorbereitungen für die bevorstehende Kesurokai zu treffen. Es ist ein wunderschönes Werkzeug und bereitet Robin viel Freude! Hier ist die Axt, als sie ankam - verpackt in schöne, hauchdünne Hobelspäne...

Axe

Robins japanischer Freund und Drechsler-Kollege Tomio Imaru hat uns eine ungefähre Übersetzung der Inschrift geschickt:

Vermutlich handelt es sich bei den beiden großen Wörtern in Kanji um den Namen des Schmieds "kajiya-mei". Üblicherweise markiert der Schmied die Klinge mit seinem Schmiedenamen (der manchmal nicht dem realen Namen überein stimmt). Es sieht aus wie 幸英. Auf der Unterseite der Klinge sehe ich den Ort der Werkstatt 土佐. Tosa ist der Name einer japanischen Präfektur, die auf der Insel Shikoku liegt. Fast alle japanischen Äxte haben 7 Streifen; vier auf der rechten und drei auf der linken Seite der Axt. Diese Streifen symbolisieren den Dank für das Holz, die sichere Holzbearbeitung und das Opfer von Alkohol und Saatgut.

Robin liebt Äxte und hat eine große Sammlung davon - ich werde mal schauen, ob ich ihn dazu bewegen kann, ein paar davon zu fotografieren und etwas dazu zu schreiben.

9. März 2010

Spalten eines großen Eichenstammes

Robin Wood hat kürzlich einen sehr großen Eichenstamm gespalten, aus dem er Zaunpfähle und Geländer bauen will. Sein derzeitiges Hauptprojekt ist der Bau einer Fußgängerbrücke in Bradfield (nicht weit entfernt von meinem Wohnort), und der Zaun wird den Zuweg zur Brücke einfassen.

Die Eiche wurde in den Eccleshall Woods nahe Sheffield gefällt, ursprünglich für ein Buprojekt von jemand anders, aber es wurde schnell klar, dass eine große Zahl versteckter Nägel in dem Stamm stecken. Nachdem bereits sechs oder mehr Nägel freigelegt waren, wurde entschieden, daß die Gefahr, die Gattersäge zu beschädigen, zu groß ist. Robin fand es aber viel zu schade, ein so schönes Stück Holz wegzuwerfen und entschloss sich, es mit Handwerkzeugen zu bearbeiten.

Zum Spalten wurden zunächst Metallkeile verwendet, dann lange, dünne und gut getrocknete Eichenkeile, die Robin selbst geschnitzt hat - alle Keile wurden mit einem großen Vorschlaghammer eingetrieben. Nachdem der Stamm erstmal in zwei Hälften geteilt war (jeweils 3,60 m lang und ca. eine halbe Tonne schwer), wurden die Stücke weiter gespalten, jedes Mal in zwei Hälften, damit der Spalt gerade verläuft.

The oak log cleft in two.

Medulary rays and the final cleft into fencing rails.

Robin sagte nach getaner Arbeit, dass es zwar ein harter Tag war, aber eine Menge Spaß gemacht hat, ein so tolles Material zu verwerten, bei dem die elektrischen Maschinen versagt hatten.

Abschließend ein Bild des Ortes, wo die ersten Zaunpfähle platziert werden. Robin hat die Oberfläche mit seiner japanischen Zimmerer-Ono (Axt) behauen, was sehr viel Spaß macht. Es gibt wahrscheinlich nicht viele Beispiele für japanisch Behautechnik im Vereinigten Königreich, aber vermutlich wird das kaum jemand bemerken.

Bridge site in Bradfield and Japanese axe.

Weitere Bilder und Informationen in Robins Blog hier und hier.

4. März 2010

Hintergund-Lektüre (Englisch)

Ich bin mir sehr bewusst über die kulturellen Unterschiede zwischen Europa und Japan, und daher habe ich versucht mich in Vorbereitung auf unseren Besuch ein wenig einzulesen. (Ich gebe zu, dass ich wahnsinnig viel lese, und da Robin wahnsinnig viele Bücher kauft, habe ich immer Lesefutter!)

Das erste Buch ist Japanese woodworking tools: their tradition, spirit and use von Toshio Odate. Dieses Buch beschreibt nicht nur die einzelnen Werkzeuge sehr detailreich, sondern gibt auch einen wundervollen Einblick in das Leben der japanischen Handwerker. Der Autor lebt mittlerweile in Amerika, wurde aber in Japan geboren und absolvierte dort eine Ausbildung zum Schiebetürmacher. [ISBN 0-85442-075-4]

Dann gibt es ein zusammengehöriges Trio von Büchern, die sich zwar mehr mit Töpferei beschäftigen als mit dem Holzhandwerk, aber auch einen großartigen Einblick in japanische Ästhetik und Handwerkskunst bieten.

  • The Unknown Craftsman von Soetsu Yanagi, dem Gründer der japanischen "Folkcraft"-Bewegung, ist ein klassisches Buch, was die WErte von Kunst, Schönheit und Handarbeit betrachtet. [ISBN 0-87011-352-6]
  • Susan Petersons Buch Shoji Hamada: a potter's way and work bringt eine schöne Beschreibung der Arbeit in der Töpferei während der vier Monate, die der Autor dort verbrachte. [ISBN 0-7136-6772-9]
  • Folk art potters of Japan: beyond an anthropology of aesthetics von Brian Moeran ist vom Stil eher akademischer Natur, aber es vermittelt eine gute Perspektive auf die anderen beiden Bücher. Es untersucht die britischen Ursprünge der ästhetischen Ideale von Yanagi und Hamada und wie sie das Leben japanischer Töpfer beeinflusst haben. [ISBN 0-7007-1039-6]

Ich könnte jetzt weiter machen und verschiedene Texte von und über Bernard Leach lesen, aber ich glaube, ich habe fürs erste genug über Töpferei erfahren!

Books

27. Februar 2010

Werkzeugliste und Zuschnittsliste

Tools

Zusammen mit den Plänen für den Pavillon hat das Team eine Liste der benötigten Werkzeuge sowie eine Zuschnittsliste für das Gebäude ausgearbeitet.

Eine eindrucksvolle Menge an unterschiedlichen Werkzeugen wird benötigt, und da sich viele stark von ihren japanischen Gegenstücken unterscheiden, müssen sie im Voraus besorgt, verpackt und nach Japan geschickt werden.

2 Klobsägen
10 Breitbeile
10 Bundäxte
11 Schlagschnuren
2 Farben Pulver für Schlagschnur
14 Zimmererwinkel
7 Lote evtl. eng.
5 Lotbrett od. Wasserwagen
21 Stecheisen 35/40 mm
7 Stecheisen 15/20 mm
21 Klüpfel
14 Gestellsägen
2 Raubänke 50 mm
7 Simshobel 30 mm
7 Putz od. Doppelhobel 45mm
7 Schlangenbohrer 20 mm
14 Stoßaxte breite
14 Stoßaxte schmale
7 Latthämmer
42 Bleistifte
42 Zollstöcke
7 Dechsel
4 Schrotsägen fein
4 Schrotsägen grob
1 Spaltmesser
7 Handbeile
5 Ziehmesser
7 Fuchsschwänze

Die Zuschnittsliste wird zu Amemiya san geschickt, so dass im Vorfeld entsprechendes Holz gefällt und ein Teil des Behauens erledigt werden kann. Insgesamt werden 88 Laufmeter Holz benötigt, wovon das japanische Team 48 m bereits vor dem Treffen behauen wird. Die restlichen 40 m werden die europäischen Zimmerleute während der zwei Wochen vor Ort behauen. Sie werden in 6 Teams mit je 7 Leuten arbeiten, wobei zwei Kopfzimmerer (Hannes & Cornel) die Pläne und den Aufriß organisieren werden.