31. März 2010

Barfuß-Holzbearbeitung

Barefoot hewing

Leute reden oft über die Vorliebe der Japanischen Zimmerleute, barfuß zu arbeiten ... und stellen die Sicherheit dieser Arbeitsweise in Frage. Offensichtlich wird das in Japan immer so gemacht, und selbst Fotos aus dem Winter von Amemiya sans Website zeigen die Arbeiter mit flexiblen leichten Schuhen, daher nehme ich an, daß ein guter Stand auf dem Stamm sehr wichtig ist.

Was, wenn die Axt abrutscht? Nun, die Äxte sind so scharf und schwer, daß man definitv eine sehr massive Stahlkappe bräuchte, um sie zu stoppen (was vermutlich die wertvolle Schneide beschädigen würde!). Ich nehme an, der Hintergrund der Technik ist, die Füße aus dem Weg zu haben, für den Fall, dass die Axt weiter schwingt, als sie sollte. Barfuß arbeiten gibt einem den richtigen Anreiz, in diesem Punkt sicher zu gehen.

Im Zuge unserer Schnitz-Kurse wurden wir oft gefragt, ob neue Schüler einen Handschuh tragen sollten, der vor dem abrutschenden Messer schützt. Wir haben uns entschieden, daß es ein besserer Ansatz ist, Techniken zu vermitteln, die ein Abrutschen verhindern. Mit bloßen Händen hat man den besten "Grip" an den Werkzeugen, und der Schüler konzentriert sich auf die Sicherheit. Wir haben nur sehr wenige Verletzungen, insofern scheint sich das auszuzahlen.

more barefoot craftsmen

29. März 2010

Gemeinsam Hobeln

Planing together Kesurokai 2007

"Kesurokai" heißt auf Japanisch "Gemeinsam Hobeln" und im Mittelpunkt der Japanischen Kesurokai-Treffen stehen Hobel-Wettbewerbe. Hierbei treten die Hanwerker gegeneinander an, um möglichst lange, glatte, papier-dünne Späne von einem Holzklotz abzuhobeln. Dies ist nicht nur ein Test der Fähigkeiten mit diesem Werkzeug, sondern auch ihrer Schärf-Künste.

Japanese planes and sharpening Kesurokai 2007

Die Japanischen Handwerker sind sehr stolz auf ihre Schärf-Kunst und sie investieren viele Stunden, um die Werkzeuge in perfektem Zustand zu halten. Dieser Aufwand ist nicht verschwendet, da die Oberfläche, die ein gut geschärfter Hobel hinterläßt nicht weiter bearbeitet werden muß. Sie sparen daher die Zeit ein, die andere Zimmerleute mit dem Schleifen der Oberfläche verbringen würde.

Japanische Wassersteine sind berühmt für ihre gute Schleifleistung und wir verwenden sie, um die vielen Werkzeuge zu schärfen, die wir in unseren Schnitz-Kursen verwenden. Unsere sind jedoch günstigere, synthetische Steine, und wir waren über den Unterschied verblüfft, als Hannes uns einen Naturstein gab, den er aus Japan mitgebracht hat. Der Abtrag dieses Steins ist wirklich bemerkenswert.

27. März 2010

Mehr als Fähigkeiten teilen...

Eating together Kesurokai 2007

Ein wichtiger Aspekt der Kesurokai ist, das die Handwerker auch ihre Freizeit gemeinsam verbringen, sich unterhalten, die Unterkünfte teilen und gemeinsam Essen. Auf diese Weise gelingt ein viel tieferer Einblick in die jeweilig andere Kultur, als dies beim Arbeiten möglich wäre.

Essen (und Trinken!) ist sehr wichtig angesichts der schweren, körperlichen Arbeit, die diese Handwerker verrichten. Während Hannes und Michail unsere kleine Scheune gebaut haben, hatte ich das Gefühl, permanent nur am Einkaufen und Kochen zu sein, aber zum Glück waren sie gut beim Abwaschen!

Beim Bauplatz in Japan haben sie bereits einen tollen Koch- / Eßbereich mit traditionellem Mittelfeuer vorbereitet, der bereits gut genutzt wird:

On-site kitchen

Cooking and eating together

Ich freue mich schon sehr auf das traditionelle Japanische Essen, aber ich muß vorher nochmal ein wenig mit Eßstäbchen üben.

26. März 2010

Modellbau für den Pavillon

Ich habe ein paar neue Fotos bekommen, die zeigen, wie Hannes und Markus ein maßstäbliches Modell des Pavillons anfertigen, was ein wichtiger Teil des Bauprozesses ist.

Dies ist ein erstes Ausprobieren der gezeichneten Pläne, ein erster physischer Test, ob die Maße alle stimmen und das Puzzle am Ende zusammen paßt. Ich nehme an, dass erfahrenen Handwerkern wie ihnen hierbei auch auffällt, welche Teile der Konstruktion mögliche Probleme aufwerfen könnten, wenn der echte Pavillon gebaut wird.

Measuring from the plans

Hannes and Markus at work

The nearly-complete model

Nun ist das Modell noch nicht ganz, aber fast fertig - mehr Abbildungen findet Ihr im Photoalbum.

Im Arbeitsablauf heutiger Architekten wird der Bau von physischen Modellen immer mehr durch CAD Computermodelle verdrängt, was in mancher Weise schneller und genauer zu sein scheint. Allerdings unterrichte ich regelmäßig an der Sint Lucas School of Architecture, Brüssel, und oftmals argumentieren die dortigen Dozenten, die ich unterrichte, gegen Computer-Modelle. Sie sind der Meinung, dass man durch den physischen Modellbau viel mehr über das geplante Bauwerk lernen kann. Wenn man erst die nötige Erfahrung hat, kann man das Wissen auf CAD-Konstruktionen übertragen, aber wenn man mit dem Computer anfängt, sind Probleme vorprogrammiert.

Heute morgen habe ich in den Nachrichten gehört, daß Virgin ihr Formel-1-Auto umkonstruieren müssen, da der Benzintank zu klein ist, um das Fahrzeug bis zum Ende des Rennens zu bekommen. Das ist das erste F1-Auto, was ausschließlich am Computer entwickelt wurde, um Geld für den Bau und Test von Prototypen einzusparen.

25. März 2010

Japanische und Europäische Sägen

Ein weiterer, deutlicher Unterschied zwischen den Werkzeugen der Japaner und Europäer zeigt sich bei den großen Sägen, die zum Auftrennen der Stämme verwendet werden, d.h. um längs zur Faser des Holzes zu schneiden, anstatt quer dazu. In einem früheren Post habe ich bereits ein paar Bilder von der verbreitetsten Japanischen Säge gezeigt, die für diesen Zweck verwendet wird. Es ist ein eindrucksvolles Werkzeug:

Japanese rip saw

Die Säge, die Europäische Zimmerleute zumeist für diesen Zweck verwenden, ist eine Zwei-Personen-Säge wie diese, wobei allerdings Größe und Ausührung stark unterschiedlich sein können:

European rip sawing

In beiden Fällen wird ein langer, dünner Holzkeil verwendet, um die Schnittfuge offen zu halten, so daß sich das Sägeblatt während des Arbeitens nicht verklemmt:

Using wedges whilst sawing

Es gibt auch eine große Zahl von unterschiedlichen Sägen für die Querholzbearbeitung:

Cross cut sawing

24. März 2010

Video-Ethnografie

Nicola-filmingWenn was schief geht, ist die instinktive Reaktion wegzulaufen, allerdings ist das selten die beste Handlungsweise. Wie wir es immer wieder den Leuten sagen, die sich während unserer Schnitz-Kurse schneiden: Du mußt verstehen, was passiert ist, damit es nicht noch einmal passiert.


Ich hatte gerade eine schlechte Erfahrung: ein paar Leute, für die ich gelegentlich Filmaufnahmen mache, wollten die kompletten Aufnahmen, die ich gemacht hatte, wobei unsere Vereinbarung sich eigentlich nur um ein paar Sound-Schnipsel drehte, die ich für eine Website bereitstellen sollte. Instinktiv sagte ich sofort: "Vergeßt es!", aber konnte nicht sofort erklären, warum, was für einige Unzufriedenheit sorgte.

Wie dem auch sei, nun bin ich etwas schlauer geworden, was meine Art, Aufnahmen zu mechen angeht. Sie entstehen mehr mit dem Ziel einer forschenden Beobachtung als dass sie zur Veröffentlichung gedacht sind. Ich verwende unauffällige (aber High-Tech) Ausrüstung, ich habe unaufdringliche Filmtechniken entwickelt, und ich arbeite (mit einigem Erfolg) hart daran, mich unter den Leuten, die ich filme zu integrieren. Auf diese Weise komme ich ihnen sehr nahe und kann authentische Szenen einfangen, anstatt einer Art Schauspiel für die Kamera.

Das bedeutet, dass ich oft Dinge einfange, die eigentlich nicht aufgenommen werden sollten; Zeug, das möglicherweise zu persönlich bzw. unhöflich ist oder die aufgenommenen Personen unprofessionell erscheinen läßt. Daher bin ich sehr vorsichtig, was den Umgang mit den Aufnahmen angeht, ich verwende nie etwas, von dem ich das Gefühl habe, es könnte meine Vertrauensposition gefährden. Wenn es grenzwertig ist, frage ich vielleicht nach, aber nur, wenn ich die betreffende Person gut kenne, sonst würde ich nicht einmal die Frage riskieren. Ich finde nicht, dass ich diese Verantwortung auf andere übertragen kann, daher gebe ich niemals das Rohmaterial aus der Hand.

Obwohl diese Begebenheit unangenehm war, verstehe ich nun ein wenig besser, was ich tue ... und ich werde sicherstellen, dass es auch andere tun, die ich filme. Abschließend ein Video, das ich im Zuge der Forschung für meinen PhD gemacht habe:



23. März 2010

Deutsche und Japanische Behautechnik

Deutsche Zimmerer beginnen das Behauen eines Stammes zumeist mit dem Einschlagen von V-förmigen Kerben. Hierbei arbeiten zwei Handwerker zusammen, die abwechselnd in je eine Seite der Kerbe schlagen. Das ist sehr effizient und spannend anzuschauen (hier ein Video). Abschließend wird das Holz zwischen den Kerben entfernt, so daß eine ebene Fläche entsteht:

German hewing

Die japanische Methode besteht darin, zunächst die Fasern des Holzes mit einigen Axthieben zu schwächen, welche aber nur einseitig eingeschlagen werden, also ohne eine komplette Kerbe zu machen. Dann wird das "aufgelockerte" Haolz entfernt, indem die Axt wie ein Pendel geschwungen wird. Hierzu steht der Zimmerer barfuß auf dem Stamm, was ebenfalls spannend anzuschauen ist (hier ein Video).

Japanese hewing

Beide Methoden scheinen in etwa gleich effizient zu sein, und offensichtlich haben sich die jeweiligen Äxte in einer Weise entwickelt, die dem Gebrauch entspricht ... oder möglicherweise gibt die Art der Benutzung den Stil der Äxte vor!